Religiöse Symbole an Schulen: DIGO bedauert Entscheid des Kantonsrats

Die Dachorganisation Islamischer Gemeinden Ostschweiz (DIGO) nimmt den Entscheid des St. Galler Kantonsrats, religiöse Symbole und Kleidungsstücke für Lehrpersonen an öffentlichen Schulen künftig zu verbieten, mit Bedauern zur Kenntnis. Für viele Musliminnen und Muslime im Kanton ist dieser Entscheid eine Enttäuschung.

Aus Sicht der DIGO stellt sich die Frage, welchen konkreten Mehrwert ein solches Verbot für die Unterrichtsqualität oder den Schulfrieden bringt. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass gut ausgebildete Lehrpersonen ausgeschlossen werden, ohne dass dadurch ein tatsächliches Problem gelöst wird. Besonders fragwürdig erscheint zudem die Ausweitung auf die Sekundarstufe II, also auf Gymnasien, Fachmittelschulen und Berufsschulen. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist schwer nachvollziehbar, weshalb ein solches Verbot mit dem Schutz vor Beeinflussung begründet wird.

Betroffen sind insbesondere muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen. Sie werden faktisch vor die Entscheidung gestellt, entweder auf ihr Kopftuch zu verzichten, das für sie Ausdruck ihrer persönlichen Überzeugung ist, oder auf einen pädagogischen Beruf, für den sie qualifiziert und geeignet wären. Damit werden betroffene Musliminnen in einen vermeidbaren Gewissenskonflikt gedrängt. Aus Sicht der DIGO passt ein solcher Ausschluss nicht zu einer pluralistischen Gesellschaft, die Teilhabe und Chancengleichheit ernst nimmt.

Die DIGO vertraut darauf, dass Schulleitungen und Schulbehörden bereits heute über die nötige Kompetenz verfügen, um geeignete Lehrpersonen auszuwählen und allfällige Fragen im Einzelfall sorgfältig zu beurteilen. Lehrpersonen sollten nach ihrer fachlichen Qualifikation, ihrer pädagogischen Eignung und ihrem professionellen Handeln beurteilt werden – nicht nach ihrer religiösen Zugehörigkeit oder ihrem Erscheinungsbild.

Staatliche Neutralität zeigt sich aus Sicht der DIGO nicht primär in der Kleidung einer Lehrperson, sondern in ihrer professionellen Haltung und methodischen Unterrichtsführung. Entscheidend ist, dass Lehrpersonen sachlich, fair, offen und respektvoll mit unterschiedlichen Überzeugungen umgehen. Ein Kopftuch steht einer solchen methodischen Neutralität nicht entgegen.

Die DIGO wird die weiteren politischen Entwicklungen verfolgen und setzt sich für einen konstruktiven Dialog ein, der Brücken baut statt neue Grenzen schafft.